Shifting Baselines in der Hufnerstrasse

(Nachträgliche Ergänzung: Mich interessiert derzeit nichts weniger als die Wahl des Bundespräsidenten. Aber die Art und Weise ist schon bemerkenswert, am Ende des Beitrags noch ein Gedanke dazu.)

Ich habe einen tollen Vortrag von David Precht gesehen. Er verwendete darin den Begriff „Shifting Baselines“, ein Phänomen verzerrter und eingeschränkter Wahrnehmung von Wandel. Kannte ich bisher nicht, aber der passt gut:

fg8dmcogqv4Parallel zur Veränderung von Umweltbedingungen kommt es dabei zu Verschiebungen und Veränderungen der Referenzpunkte, die der menschlichen Wahrnehmung beim Bemessen von Wandel dienen. Der Effekt wurde auf einer Konferenz zur Festlegung von Fischereikontingente beobachtet: Während ältere Befragte dort ein deutliches Bewusstsein über den Rückgang von Fischbeständen und das Verschwinden von Fanggründen zeigen, haben jüngere eine wesentlich geringere Vorstellung davon, dass die Bestände vor noch relativ kurzer Zeit erheblich größer und vielfältiger waren.

Übertragen auf unsere Nachbarschaft und dieses Land bedeutet das in einem Satz zusammengefasst: Der Mensch gewöhnt sich an alles.

friedlichAus politischer Sicht ist es dabei natürlich ratsam, den Umfang der Veränderungen klein zu reden. So wie bei der Einführung des Euros von den Parteien und den Politikern per Ehrenwort geschworen wurde, dass kein Land für die Schulden des anderen Landes einstehen muss: Heute haben wir uns schon daran gewöhnt.

Ein Blick auf die Blaulichtseiten für Hamburg von heute zeigt schon in den kurzen Zusammenfassungen, wer uns da überfällt, beraubt und vergewaltigt: Litauer, Georgier, Serben und natürlich wie immer die Südländer. Bei vielen Pressemitteilungen vom Wochenende, bei denen Menschen zu Tode gemessert wurden, kann man nur Vermutungen anstellen. Und wenn bei der Täterbeschreibung anschließend dessen deutsche Staatsangehörigkeit lautstark betont wird, dann bleiben trotzdem Fragen offen.

thumbs_04Oder nehmen wir mal unseren Hinterhof. Wie lange läuft der Umbau der Container schon? Zwei Monate? Jeden Tag stehen Firmenfahrzeuge auf dem Hof, die Kosten für dieses Flüchtlingsheim dürften mehrere Millionen Euro betragen (der Umbau des Gebäudes alleine wurde mit einer Million beziffert, dazu der Abbruch der Gebäude, der Aufbau der Container, der Umbau, die Versorgungsleitungen und natürlich Betrieb und die Sicherheitskasper Murat und Özdemir, die auf dem Hof hin- und herpilgern. Darf ich mal daran erinnern, dass ich hier Miete zahle, dafür jeden Tag zur Arbeit gehe und immer auf diesen Slum blicken muss? Es ist unglaublich, was mir hier zugemutet wird.

Aber wir haben uns daran gewöhnt: An den Anblick, den Lärm und im Sommer die rücksichtslos lärmenden Fremden. Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, dass wir die Sinnfrage nach der Errichtung einer Wegwerflösung schon gar nicht mehr stellen, denn Vertrag ist Vertrag und Eugen Block hat die Einnahmen seiner Gutmenschentat schon fest eingeplant.

leerstand

Aber ich weiß schon: Wir sind ja so reich und können uns das leisten. Deswegen fordert die SPD jetzt ja auch, den Spitzensteuersatz um mindestens 20% höherzuschrauben. Also natürlich nur für die mit abgeschlossener Berufsausbildung, Festanstellung oder Freiberufler, versteht sich – die typischen Millionäre eben.

dummheitWir sind auf dem Holzweg und dafür wird jemand zahlen müssen. Und wenn Wolfgang sagt, dass die Wirtschaftswissenschaft eben gar keine ist, dann hat er wohl auch Recht, die Tatsachen sprechen dafür. Trotzdem lohnt es sich, neben guten Gefühlen auch harte Fakten zu hören, ich empfehle diesen Vortrag von Prof. Flassbeck aus dem Jahre 2015.

Oder man guckt eine neue Folge von Dead Man Walking, das ist natürlich geiler. Und bald ist ohnehin Frühling, dann ist bestimmt wieder alles gut… Sag mal, die beiden Schwäne dahinten – ficken die etwa?

heilewelt

Ergänzung: Von den fickenden Schwänen zu einem primitiven Thema: Die Demonstration von „Demokratie“. Dieses Foto sagt alles. Was soll uns Olivia Jones signalisieren? „Das Volk“ dürfe ein Wort mitreden? „Randgruppen“ sind wichtig? Noch nie habe ich das Ganze als so gelenkt wahrgenommen.

Steinmeier hat den Präsidenten der Vereinigten Staaten als „Hassprediger“ bezeichnet und sich geweigert, ihm in seiner Funktion als Aussenminister zu gratulieren. Das hat nicht mal Kindergartenniveau. Er hat ja offenbar nicht mal verstanden, dass er ein Land repräsentiert und nicht seine eigene Meinung rauströten soll. Wir haben echt ein Problem mit unseren politischen „Eliten“.

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Auf der Liste der Bürger, die von den Landesparlamenten in die Bundesversammlung entsandt wurden, finden sich:

Journalisten
Schauspieler
Schriftsteller
Berufspolitiker
Aufsichtsratsvorsitzende
Unternehmer
Profi-Sportler
Geschäftsführer
Travestie-Künstler
Theaterintendanten
Komiker
Musiker
Klimaforscher
Der Präsident des BVB
Verleger
Gewerkschaftsbosse

Unter denen, die Frank-Walter Steinmeier wählten, gibt es nicht:

Maurer
Abfallentsorger
Friseure
Monteure
Pfleger
Tischler
Bäcker
Schlosser
Lokführer
Verkäufer
Wachmänner
Taxifahrer
Chemiefacharbeiter
Pförtner
Fließbandarbeiter
Kraftfahrer
Briefträger

Mehr muss man nicht kommentieren.

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6 Gedanken zu “Shifting Baselines in der Hufnerstrasse

  1. Ja, was sollen sie machen unsere selbsternannte Politelite, den Pöbel einladen? Eine demokratische Wahl ins Leben rufen, natürlich nicht, da müssen die Posten gerettet werden!!! Trump-Bashing nicht zu vergessen, Entschleunigung Schulz, Globalisierung, man oh man, Enteignung, egal, dieser deutsche Michel, dieser Nazi…irgendwie muss man das komplette Staatsversagen doch titulieren, Comedy ohnegleichen, Polizei geht in Rente, Nachwuchs gibt es nicht, kaputt gespart, muss sich ja verkloppen lassen, ansonsten Rassist, Justiz Katastrophe…am meisten haben die Angst davor, dass das Schiff voller Narren, namens EU auseinanderbricht. Oder wie es die Österreicher nennen, der Gnadenhof für Politiker die es national nicht geschafft haben. Wollte Juncker nicht mit Schulz aufhören. Ein Freund aus Luxemburg erzählte vor langer langer Zeit mir, dass sie froh waren, diesen Trinker endlich loszuhaben. Aber die Raute hat sich ja für ihn eingesetzt. Die Briten haben das einzig Richtige getan (auch hier war die Raute Schuld), was in Frankreich los ist, weiss jeder. Und jetzt noch die Wahlen in Holland und Frankreich, man man…was wollen die Eliten uns jetzt noch erzählen…wir müssen unsere Werte schützen, welche, Enteignung ohne Ende, Überrennen lassen, verkloppen lassen und Steuern zahlen…man kann es nicht mehr hören…

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    1. Frankreich. Le Pen. Frexit. EURO-Kollaps. Wiedereinführung D-Mark. Exportstopp. Massenarbeitslosigkeit. Innere Unruhen.

      Oder blühende Landschaften, wenn man Chulz wählt. Der Mann hat weder Schul-, noch Berufsausbildung, spricht dafür angeblich 100 Sprachen. Der macht das schon, zur Not spendiert der ’nen schönen Roten.

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    1. Naja, wer sich im zweiten Jahr der Bereicherung über 30 Tage Zeit lässt, um Bereicherungserlebnisse zu melden, ist ja nicht wirklich glaubwürdig. Interesssanter ist die Frage: Dreht die Stimmung bei der Bild oder machen die für Auflage wirklich alles?

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