Nachhilfe in der Hufnerstrasse

Ach Kinners, was für eine Woche. Viel Arbeit, wenig Ehr‘. Und wieder muss ich leider mit einigen Lesern schimpfen, dabei könnten wir doch gemeinsam über Blankenese lachen!

Gerade fährt wieder ein RTW auf den Hinterhof zu den geschenkten Menschen, da hat es wohl wieder was an die Ohren gegeben oder aber es sitzt ein Pups quer. Bei Schlaganfall und Flüchtlings-Aua gilt: Zeit ist Leben, sofort 112 rufen.

Während es im Umkreis von 250m um meine Wohnung DREI (Groß)unterkünfte gibt, ist Blankenese bisher flüchtlingsfrei (darf man das im April 16 noch sagen, oder ist das zu nah dran am menschenverachtenden Begriff „judenfrei“ der Nationalsozialisten?).

Die Pfeffersäcke wehren sich mit Nachdruck gegen unsere Rentenbeitragszahler von morgen. Damit ist zumindest klargestellt, dass Ablehnung der unkontrollierten Zuwanderung nicht mit Bildungsniveau und Einkommen korreliert.

pfeffersaecke

Herrlich, das kann man gar nicht erfinden! Die Pfeffersäcke aus Blankenese wollen keine Kulturbereicherer. Wo wohnen eigentlich unsere Senatoren..?

Jetzt zu euch, ihr lieben, teilweise leider doofen Leser!

Ich fühle mich ungeliebt und unverstanden. Die Erklärung ist, leider, dass ihr alle nicht mehr richtig lesen könnt. Zugegeben, heute liest man nicht mehr, sondern konsumiert in kleinen, gut verdaulichen Portionen. Während ich mir mit dem Verfassen dieser Texte Mühe gebe, wird das alles nur überflogen und sobald Herr Hitler zu lesen oder sehen ist, greift der Automatismus: Fundierte Kritik + Hitlerbild = Nazi.

Steigerung davon: Rechtsextremer Nazi. Meine Güte, wie mich das langweilt. Gestern erst wieder erlebt und es ist überflüssig zu erwähnen, dass diese Leute meine Frage zur Finanzierung der Sozialversicherung mit der Plattitüde beantworten, dass wir ein extrem reiches Land wären. Und die haben BWL studiert und sogar promoviert… warum nur können sie dann nicht diese einfache Frage beantworten?

Zu unserem Problem: Was können wir tun, damit ihr besser und aufmerksamer lest und dabei mit euren Konzentrationsstörungen umzugehen lernt? Mit der ehemaligen Lehrerin und Moderatorin Sigrid Stallbaum konnte der Anwohner51 eine Referentin gewinnen, die brennende Fragen alltagsnah und mit großer Erfahrung beantwortet und praktische Methoden an die Hand gibt. Bitte arbeitet an euch, wir müssen mal von diesem lächerlichen Nazigeschrei weg kommen. Und Sigrid kennt sich aus: Laut dem wohlwollenden Bericht „Hausbesetzer mit grauen Haaren“ in der FAZ waren die heutigen Bewohner der Haynstraße 1 in den 1970er Jahren „Trotzkisten, Leninisten und Maoisten“. Damals „entzogen“ sie durch ihre Besetzung das Haus „dem kapitalistischen Verwertungsprozess“, schreibt wiederum die TAZ im Artikel „Die sauren Früchte der Revolution“. Seither residiert das Wohnkollektiv zu einer Sozialmiete von 4 Euro pro Quadratmeter in einem der schönsten Häuser Eppendorfs. Eine sehr erfahrene Gutmenschin also.

sigrid

Lehrerin. Verbeamtet. Vom Ruhestand gelangweilt und alleinstehend. Da braucht es eine neue Aufgabe. Wie wäre es mit… FLÜCHTLINGSHILFE? Ja, das ist es, da fühlt sie sich gebraucht.

hilfesigrid

Es nützt nichts, ihr müsst euch stärker konzentrieren. Nein, Wolfgang, KEINEN Witz darüber, dass es damals Lager für so etwas gab. Von so einem menschenverachteten Witz distanziere ich mich.

 

 

 

 

 

 

 

 

Warum Sigrid, fragt Wolfgang und guckt anklagend in Richtung der leeren Bierflaschen auf meinem Tisch der Kameradschaft. Nun, das Frl. Sigrid ist politisch erfahren und der Spiegel hat schon vor über 10 Jahren über sie und ihre Genossen gesagt, dass an ihrem Wesen unser großdeutsches Volk genesen soll. Sie kann uns nicht nur beibringen, längere Texte mit Konzentration zu lesen, sondern hilft uns auch, ideologisch richtig zu denken.

gutemenschen

Hausbesetzer mit grauen Haaren: Eine Hamburger Mietergemeinschaft will seit Jahrzehnten die Welt verbessern. Generationen von Protestlern lebten in der Haynstraße 1. „Es ist ein Privileg, in diesem Haus aufgewachsen zu sein“, sagt einer.

 

Dann gibt es auch noch eine erfreuliche Neuerung beim Freifunk. „Erfreulich“, was für ein schönes und seltenes Wort in diesen Tagen: Man hat aus Erfahrungen gelernt. Es besteht somit Hoffnung, in den kommenden lauen Sommernächten keine ungebetenen Internetsurfer zu später Stunde vor den Fenstern der Anwohner ertragen zu müssen, die biertrinkend lautstark nach Hause skypen.

Tolle Lösung – in den „Problemstunden“ bleibt das Netz aus. Danke, lieber Florian.

Abschließend darf ich den Kollegen aus der Rechtsabteilung als auch vertrockneten pensionierten Beamtinnen aus der angestaubten 68er Kaderschmiede noch ein paar Hinweise über die Herkunft und Intention meines Wortschatzes geben:

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Das aktuelle Album von Hard Skin. Werden auf dem Cover rechte Arme zum Hitlergruß erhoben? Kann mal jemand seinen Anwalt pauschal Strafanzeige stellen lassen?

Oi! Oi!

Spätestens nachdem es 1981 nach einem Oi!-Konzert in Southall/London zu Ausschreitungen zwischen den Konzertbesuchern und den asiatischen Anwohnern gekommen war, wird Oi! in der Öffentlichkeit und den Massenmedien oft mit Neonazismus assoziiert. Dies ist aber ebenso wenig zutreffend wie die pauschale Gleichsetzung von Skinheads (egal ob traditionell oder Oi!-Skin) mit Rechtsextremisten oder Neonazis. (Wikipedia)

Hard Skin:

„Last night, we went out for dinner. It was excellent, apart from one Canadian, who was fucking stupid. He told us, he was apolitical which means, he doesn’t do politics. We do politics. Hard Skin are anti-nazi. Fuck screwdriver, fuck’em. Fuck Canadians. For one time only, the next song is called: All nazis are cunts.“ (Live im abc club in Tokio, 29.5.2005)

Das war ausländisch. Übersetzt bedeutet das, dass ich Hard Skin für eine ziemlich gute Oi! Band halte. Die Böhsen Onkelz waren hingegen niemals eine Oi!-Band, auch wenn deren Musik dem Stil ein wenig folgen. Man darf nicht vergessen, das Kevin Russel britischer Staatsbürger war (ist?) und er von seiner damaligen Zeit in London musikalisch sehr geprägt wurde.

Tisch der Kameradschaft:

thumbs_picdump446_30Diesen Tisch habe ich bei Ikea in Italien gekauft, Modell „Hadølf“. Über das Angebot hat sogar der Berliner Kurier berichtet. Und Wolfgang hat nach unserem letzten Stammtisch keine Untersetzer benutzt, jetzt bekomme ich die Bierflecken einfach nicht mehr wegpoliert.

VPN:

Der Nutzen eines VPNs ist je nach verwendetem VPN-Protokoll durch eine Verschlüsselung ergänzt, die eine abhör- und manipulationssichere Kommunikation zwischen den VPN-Partnern ermöglicht. (ggf. Haus-Techniker fragen)

Tor:
Tor ist ein Netzwerk zur Anonymisierung von Verbindungsdaten. Es wird für TCP-Verbindungen eingesetzt und schützt seine Nutzer vor der Analyse des Datenverkehrs. Es basiert auf der Idee des Onion-Routings. (Allgemeinwissen)

dm-crypt:

702px-Enigma-logo.svgDas ist das Kryptographie-Modul des Device Mappers im Linux-Kernel.

Ich erinnere mich noch lebhaft an eine Begegnung, in der ein Bürger mit zweifelhafter Ost-Vergangenheit bei Horch+Guck mit einem Mathematiker über die Kombination des Twofish-Algorithmus‘ diskutierte und ich BWL-Depp die elliptische Kurve mit dem Hockenheim-Ring verwechselte. Wahrscheinlich haut jetzt der alte Naturwissenschaftler Wolfgang auch noch einen drauf. Ihr seid alle so gemein, denn ich bin doch stets bemüht!

 

mimimimi

Er hat 08-15 gesagt, das reicht, jetzt lauf‘ ich zum Bernd…

Kinners, euch allen ein schickes Wochenende, genießt die Sonne und hetzt nicht so viel, das finde ich privat nämlich ziemlich ekelig.

Passt auf euch auf.

13/4/7 (na, Mäuschen, wofür steht das?)

Hahaha, danke für diesen schönen Abend.

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8 Gedanken zu “Nachhilfe in der Hufnerstrasse

  1. Hallo Anwohner51,

    ich konnte keinen Untersetzer nehmen, denn Papp-Untersetzer auf Hadølf wären absoluter Stilbruch!

    Da gehören echte ostpreußische Häkeldeckchen drauf. Also die verkleinerte Version einer Hakenkreuzstichdecke. Nach vorschriftsgemäßer Verwendung werden diese dann oben auf einen Stahlbildröhrenfernseher mit großkalibrigen Trommelkanalwähler zum Trocknen abgelegt! Beschwert mit einem geschmackvoll aufs Ambiente abgestimmten Leuchtkörper, damit sie am nächsten Kameradschaftsabend pünktlich ab 17:45h zurrrückgelegt werden können!

    Das ist Mindeststandard.

    Ideal wäre ein Schwarzweißfernseher mit hochgedrehtem Kontraststeller zur Verminderung verwirrender Grautöne im Bild und in die Nuten des Hadølf eingeschobene Armstützen mit Höhenjustage zur genauen Einstellung des vorgeschriebenen Armwinkels.

    Viele Grüße

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  2. Zitat: „Ich fühle mich ungeliebt und unverstanden.“

    Genau! Eigentlich sind wir rechtsextremen Nazis ganz nett. Wir können es lediglich nicht so gut rüberbringen… 😉

    Aber statt nun von Hartmut und Sigrid behutsam in deren uns so fremdartig erscheinende Gesellschaft integriert zu werden, schenken sie ihre Zuneigung den Neuen. Das trifft uns hart. Wir Nazis haben doch auch Gefühle.

    Vielleicht ist das der Kern der ganzen Problematik mit uns: Liebesentzug und Unverständnis (ich guck gerade mit großen traurigen Kulleraugen… )

    Selbstmitleidige Grüße

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  3. Zitat: „Es besteht somit Hoffnung, in den kommenden lauen Sommernächten keine ungebetenen Internetsurfer zu später Stunde….“

    Wohl eine sehr schwache Hoffnung…..

    Ich sehe da lediglich zwei Bürozeiten für Flüchtlingsbetreuung (Dienstagvormittag und Donnerstagnachmittag) und zusätzlich einen darunter angebrachten Aufkleber, dass in dem Haus Freifunk werkelt.

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  4. Ich bewundere und beneide den zivilen Ungehorsam der Blankeneser.

    Unsere Barmbeker Willkommensklatscher waren und sind einfach zu blöde zum Widerstand gegen die Obrigkeitspolitik.

    Viele Grüße

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  5. Hallo Anwohner51,

    „….mit einem Mathematiker über die Kombination des Twofish-Algorithmus’ diskutierte und ich BWL-Depp die elliptische Kurve mit dem Hockenheim-Ring verwechselte. Wahrscheinlich haut jetzt der alte Naturwissenschaftler Wolfgang auch noch einen drauf….“

    Verschlüsselungen fand ich langweilig, weil diese nur für die nach der brute-force-Rammbockmethode vorgehenden Hacker relevant sind.

    Denkfähige Eindringlinge umgehen stattdessen die verrammelten Verschlüsselungstüren und suchen sich ungesicherte Hintertürchen, die oft sperrangelweit offen stehen.

    Das Hacken der Enigma lief genau so. Zuerst versuchten die Engländer mit codeprobierenden Computern die Enigma zu entschlüsseln. Dieses Vorgehen entsprach der „brute-force“-Methode und führte zu beachtlichen Teilerfolgen.

    Der Durchbruch kam aber erst durch die Erlangung einer intakten Maschine. Man verstand die Konstruktion und wusste, wie die Maschine im Einzelnen kodiert. Dass die Enigma komplett unsinnig wird, sobald man in den Besitz einer einzigen derartigen Maschine kommt, entspricht dem sperrangelweit offen stehenden Hintertürchen.

    Derartige Hintertürchen sind der wahre Grund, warum viele Jahrzehnte jeweils „absolut unknackbarer“ Verschlüsselungen nicht zur Absicherung von Datensystemen geführt haben. Die Algorithmen dienten allein der geistigen Erbauung einiger Mathematiker sowie der Umsatzsteigerung der Sicherheitsbranche.

    Viele Grüße

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  6. Was für ein Theater. Wir wollen nicht in AfroArabien leben und es auch für diese Menschen kann das nicht die Lösung sein. Wann wird hier endlich wieder langweilige Vernunftpolitik gemacht?

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