Lesetipp für Barmbek: Das Heerlager der Heiligen

Hier ein Lesetipp sowohl für die bunte und die dunkle Fraktion unserer Gesellschaft, ein Roman aus dem Jahre von 1973. Ich habe das Buch in zwei Tagen durchgelesen und mich mehrfach vergewissert, dass es sich dabei wirklich um ein Buch von 1973 handelt. Zu klar erkenne ich darin Pack wie mich, als auch die Gutmenschen, unsere Politiker, unsere Medien und den gesellschaftlich nicht stattfindenden Diskurs wieder. Das Buch ist wie ein schlimmer Verkehrsunfall – man muss einfach hingucken. Also: Welcome-Schilder weglegen, lesen und nachdenken. Ist anstrengend, ich weiß – aber wir kommen nicht umhin.

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Die Ausgabe von 2015 – dunkle Farben und fotorealistisches Bild, die Bedrohung ist grefibar.

Das Thema von Raspails Buch ist ebenso einfach wie provokant: Nach einer Hungernot in der 3. Welt sticht eine Auswandererflotte mit einer Million Menschen an Bord in See. Ihr Ziel: Europa, aber das will niemand wahrhaben. Während die Flotte nun immer näher kommt, werden die Europäer von einem ganzen Heer von Lehrern, Journalisten, Radio- und Fernsehmoderatoren darauf vorbereitet, sich der Landung nicht zu wiedersetzen. Obwohl es immer klarer wird, dass die Auswanderer keine friedlichen Absichten verfolgen, wird Widerstand unmöglich. Denn der Westen, von Selbstzweifeln gehemmt und in einem Selbstbild verfangen, der seine eigene Kultur mit Ausbeutung und Rassismus gleichsetzt, ist zu einer entschlossenen Reaktion nicht fähig.

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Die Ausgabe von 1973 – das Cover ist noch freundlich in bunten Farben gestaltet, denn Bereicherung ist BUNT.

Raspails Roman ist hierbei ein Streifzug durch die gesellschaftlichen Schichten; der Kleinbürger, der erst für die Aufnahme der Einwanderer demonstriert, bis die neue Ordnung ihn durch nichts als moralischen Druck dazu bringt, seine neu möblierte 3 Zimmerwohnung gegen die Zweizimmerwohnung seiner kinderreichen, arabischen Nachbarn einzutauschen, oder, anschaulicher, auch den Bewohner der bedrohten Küste, der erst eine Petition zur Aufnahme der Einwanderer unterschreibt, bevor er sich ins Auto setzt und das Weite sucht.
Und so werden Politiker, Journalisten, Polizisten, Soldaten, Gewerkschaftler, Linke, Konservative und andere genüsslich vorgeführt, bis ganz Frankreich, wo die Landung stattfindet, verloren ist.

Der legendäre, bitterböse, prophetische Kultroman von Jean Raspail aus dem Jahr 1973 ist ein bis heute vieldiskutierter Erfolgstitel und war in Deutschland lange Zeit vergriffen.

Der Autor Raspail betonte später, daß die „Inder“ des Romans pars pro toto für die Gesamtheit der Volksmassen aus der Dritten Welt stünden. In dem Vorwort zur dritten französischen Auflage des Buches (1985) schrieb er:

Wenn das Buch „Das Heerlager der Heiligen“ ein Symbol bildet, so steckt darin keine Utopie, überhaupt keine Utopie mehr. (…) Obwohl die Handlung schon voll im Gang war und genau nach den Erscheinungsbildern (boat people, Radikalisierung des maghrebinischen Volksteils in Frankreich und anderer fremdrassischer Gruppen, psychologische Einflußnahme der humanitären Vereine, Verdrehung des Evangeliums durch die verantwortlichen Geistlichen, falsche Gewissensengel, Weigerung, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen) beschrieben wurde, vollzieht sich das Ende in Wirklichkeit nicht in drei Tagen, wohl aber mit Sicherheit nach zahlreichen Krisen in den ersten Jahrzehnten des dritten Jahrtausends, also in kaum einer oder zwei Generationen.

Eure Meinung dazu? Oder seid ihr noch am Schilder malen und Spenden sammeln?

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