Die „Wohle“ in der Hufnerstraße

3-596-25961-4.217917Hufnerstraße – die Wohle ist wieder da

Wer sich ein wenig mit der Geschichte Barmbeks beschäftigt hat, kennt das Buch „Die Bertinis“ von Ralph Giordano – der Autor ist in der Hufnerstraße geboren und aufgewachsen, dort spielt auch der autobiografische Roman. Auch der erste Schwarze Barmbeks (Hans-Jürgen Massaquoi) spielt in dem Buch eine Rolle.

Im Roman nennt wird die Hufnerstraße zwar Lindenstraße genannt, aber die weiteren Straßennamen und Orte in Hamburg sind mit Echtnamen bezeichnet. Auf dem Gelände des heutigen Flüchtlingheimes befand sich damals die Wohlfahrt, genannt „die Wohle“, dort haben die Menschen ihre Unterstützung wöchentlich in Bar abgeholt, im Falle des Romans der Vater des Protagonisten.

Für das Buch kann man eine klare Leseempfehlung aussprechen, für Lesefaule gibt es auch einen Fernsehfilm dazu.

Der Roman beginnt zeitlich ungefähr vor 100 Jahren und endet mit Ende des Zweiten Weltkrieges. Ich habe das Buch in diesen Tagen wieder in die Hand genommen und noch einmal gelesen – es ist für mich erschreckend zu sehen, wie schnell und massiv sich die Gesellschaft verändert hat und gerade vor der Geschichte des Buches finde ich es ekelerregend, wie schnell die mediale Nazikeule gegen Andersdenkende geschwungen wird.

Der Autor hatte 2010 folgende Antwort für den Bundespräsidenten Wulff parat, der bis heute der Meinung ist, dass „Islam und Demokratie, Islam und Rechtsstaat, Islam und Pluralismus kein Widerspruch sein müssen“.  Giordano sagte dazu: Dies verrate „eine so verstörende Unkenntnis der Wirklichkeit, eine derart blauäugige Gleichsetzung des real existierenden Islam mit einem EU-konformen Islam, dass es einem die Sprache verschlagen will.“

Der Mann war Verfolgter der NS-Diktatur und hatte eine jüdische Mutter, also durfte er das sagen. Den hätte der Vizekanzler der Bundesrepublik nicht als „Pack“ beschimpft. Denkt mal darüber nach, wenn ihr bei Aldi in der Hufnerstraße einkaufen geht – dort stand sein Geburtshaus.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Die „Wohle“ in der Hufnerstraße

  1. Ein interessanter Beitrag. Schade, dass Giordano nicht mehr unter uns weilt. Ich würde gerne seine Worte hören – das meine ich ganz neutral – zu der Situation, der wir nun gegenüberstehen. Kluge und tiefgründige Worte wären es wohl gewesen.

    Gefällt mir

Lassen Sie uns diskutieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s